Titelbild Phoenix vs DS

Ein Statusbericht 

Mehrwegestapler mit Elektro- oder Verbrennungsmotor?

Bei Mehrwegestaplern stellt sich die vielzitierte Glaubensfrage: Elektro- vs. Verbrennungsmotor – welche Vor- und Nachteile haben die jeweiligen Antriebsvarianten? Und wie ist der aktuelle Stand, speziell im Hinblick auf die zunehmende Automatisierung der logistischen Prozesse?

Um den besten Stapler für den jeweiligen Einsatzfall zu finden, reicht ein einfacher Leistungsvergleich nicht weit genug. Auf den ersten Blick sind Mehrwege-Stapler mit Verbrennungsmotoren ihren Pendants mit Elektroantrieb überlegen. Es gibt jedoch eine Reihe von Nachteilen, die sich potenzielle Käufer bewusst machen müssen, bevor sie sich für ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor entscheiden. Die beim Betrieb entstehenden Abgase erfordern eine ausreichende Belüftung. Insbesondere beim Einsatz in geschlossenen Räumen ist diese oft nicht sichergestellt. Die immer weiter steigenden Treibstoffkosten führen zu höheren Betriebskosten – ein Aspekt, der bei der Betrachtung des Geräteanschaffungspreises immer noch häufig nicht bedacht wird. Zu den variablen Kosten kommen auch die nachweislich höheren Wartungs- und Reparaturkosten eines verbrennungsmotorisch betriebenen Fahrzeugs. 

Einsatzzeit: Elektrofahrzeuge holen auf
Ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs ist die maximale Einsatzzeit der Geräte: Auch hier haben Mehrwegestapler mit Verbrennungsmotoren auf den ersten Blick die Nase vorn. Ein einfaches Auftanken oder die Bereitstellung einer neuen Gasflasche genügen, um den Stapler einsatzbereit zu halten. Das gilt vor allem bei Einsätzen mit besonders vielen Betriebsstunden. In diversen Anwendungsfällen kommen Mehrwegestapler jedoch nur im Ein-Schicht-Betrieb zum Einsatz. Und hier reichen die Batteriekapazitäten von modernen Fahrzeugen bereits so weit, dass sie Stapler mit Energie für einen Dauereinsatz von sechs bis acht Stunden versorgen können. Bei einer größeren Zahl an Betriebsstunden können Anwender entscheiden, ob sie zusätzlich mit Wechselbatterien arbeiten möchten oder das Fahrzeug wahlweise mit modernen Lithium-Ionen-Batterien ausstatten wollen. Längere Unterbrechungen bei der Betriebsbereitschaft gehören so auch bei Elektrofahrzeugen der Vergangenheit an.  

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Der Transport von langen und schweren Holzplatten ist mit dem HUBTEX DQ-X ein Kinderspiel

Unterschiedliche Leistungskapazitäten
Bei der Anschaffung eines neuen Mehrwegestaplers müssen auch die jeweiligen Leistungskapazitäten der Fahrzeuge analysiert werden. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren spielen vor allem beim Transport über längere Strecken auf unebenem Boden ihre Stärken aus. Dieselbetriebene Mehrwegestapler müssen mit größeren Reifen ausgestattet werden, um auch auf schlechten Böden ein gutes Fahrverhalten zu gewährleisten. Im Vergleich dazu überzeugen elektrisch betriebene Mehrwegestapler häufig mit einem kleineren Wendekreis, einer feinfühligeren Bedienung und einem niedrigen Geräuschpegel. Sie können insgesamt kompakter gebaut werden, sodass die Arbeitsgangbreiten im Lager kleiner angelegt werden können. Die Folge: Anwendern stehen effektiv größere Lagerkapazitäten zur Verfügung. Gerade in beengten Verhältnissen führen die Vorteile eines Elektrogerätes zu weniger Schäden an Material und Fahrzeug. Die geringeren Geräuschemissionen sorgen zusätzlich für ein angenehmeres Arbeitsumfeld. 

Die TCO-Betrachtung
Zur Bewertung aller Entscheidungskriterien sollten Anwender immer die Total Cost of Ownership (TCO) betrachten. In dieser ganzheitlichen Kostenanalyse über die gesamte Lebensdauer des Geräts werden auch die Kosten für Reparaturen, die Wartung und den Unterhalt sowie die fachgerechte Entsorgung des Fahrzeugs erfasst. In der Anschaffung sind Mehrwegestapler mit Verbrennungsmotor in der Regel günstiger. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Kosten für Gas oder den Dieselkraftstoff deutlich höher sind als die für Elektrizität. Im Vergleich zu Elektrofahrzeugen sind motorbetriebene Mehrwegestapler mit mehr beweglichen Teilen ausgestattet. Dementsprechend größer sind langfristig auch die Kosten für Verschleißteile und Reparaturen – das gilt vor allem auch für intensive Nutzungen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr durch unerwünschte Ablagerungen im Motor oder im Auspuff, die die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge schleichend reduzieren können. Die AC-Elektromotoren sind heute weitestgehend wartungsfrei ausgeführt und können dank ihres gekapselten Aufbaus auch bei Außeneinsätzen im Regen eingesetzt werden. Batteriebetriebene Mehrwegestapler benötigen im Normalfall lediglich einen sachkundigen Service, der die üblichen Verschleißteile, insbesondere des Hydrauliksystems wechselt, um die theoretische Lebensdauer von mehreren Jahren auch wirklich zu erreichen.

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der HUBTEX Mehrwege-Seitenstapler MaxX beim Einsatz bei der Lastaufnahme von Langgut

Infrastruktur sorgt für Zusatzkosten  
Ob Elektro- oder Verbrennungsfahrzeug – Anwender müssen bei der Anschaffung auch die Kosten für die notwendige Infrastruktur berücksichtigen. Elektrostapler sind auf Ladestationen angewiesen und bedürfen zur Pflege auch einem Vorrat an Batteriewasser. Für den Betrieb von Mehrwegestaplern mit Gasantrieb müssen Unternehmen geschützte Lager für Reservegasflaschen einrichten. Dieselfahrzeuge benötigen Treibstoff und dafür wenigstens einen Tank, in dem der Diesel bevorratet wird. 

Die Umweltbilanz im Fokus
Festzuhalten ist, dass Mehrwegestapler mit Elektromotoren unter Leistungs- und Kostenaspekten durchaus mit ihren motorenbetriebenen Pendants mithalten können. Und auch bei der Umweltbilanz müssen sich Elektro-Mehrwegestapler nicht verstecken, denn hier haben sie eindeutig die Nase vorn. Elektrofahrzeuge arbeiten emissionsfrei und verursachen dementsprechend keine Belastung für die Luft. Dieselbetriebene Fahrzeuge erzeugen hingegen schädliche Abgasemissionen und können auch für das Grundwasser gefährlich werden. Unternehmen müssen dementsprechend proaktiv Maßnahmen ergreifen, um das Versickern des Kraftstoffs in den Boden zu verhindern. Auch gasbetriebene Fahrzeuge arbeiten nicht gänzlich emissionsfrei, auch wenn sie im Vergleich zu dieselbetriebenen Fahrzeugen eine deutlich geringere Schadstoffbelastung verursachen. 

Automatisierte Fahrzeuge sind meist elektrisch
In Zeiten des stetig wachsenden Fachkräftemangels spielt die Automatisierung von Produktionsprozessen und Fahrzeugen eine immer wichtigere Rolle. Immer öfter werden Mehrwegestapler mit Assistenzsystemen ausgestattet, die dem Fahrer zumindest einen Teil seiner Aufgaben abnehmen. Auch die Nachfrage nach fahrerlosen Transportsystemen steigt kontinuierlich. Hier haben elektrisch betriebene Fahrzeuge deutliche Vorteile, denn sie lassen sich deutlich einfacher automatisieren. Alle großen Staplerhersteller setzen beim Thema Automatisierung in der Regel auf Elektrofahrzeuge. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Bislang werden häufig Fahrzeuge automatisiert, die im Innenbereich eingesetzt werden. Aufgrund der nicht vorhandenen Emissionen bietet sich dafür der Elektroantrieb an. Fahrmotoren lassen sich bei Elektrofahrzeugen deutlich sensibler ansteuern, positionieren und verfahren. Dadurch können Distanzen und Wegstrecken einfacher erfasst werden. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Programmierung von Schnittstellen zur Einbindung der notwendigen Steuerung bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen einfacher ist. Darüber hinaus benötigen die in Elektro-Mehrwegestaplern eingebauten Komponenten deutlich weniger Bauraum, sodass noch genügend Platz für die Automatisierungskomponenten ist. Ein weiterer Aspekt, der für die Automatisierung von Elektrofahrzeugen spricht, ist, dass dieselbetriebene Fahrzeuge eine regelmäßige Überarbeitung benötigen, um aktuelle Abgasvorschriften zu erfüllen. In diesem Zusammenhang muss dann jeweils auch die Steuerungs- und Automatisierungssoftware mit den neuen Motoren abgestimmt werden. 

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Elektroantrieb vs. Verbrennungsmotor Kostendiagramm von HUBTEX

Fazit: Elektro-Mehrwegestapler erreichen neue Einsatzgebiete
Insgesamt lässt sich festhalten, dass eine isolierte Betrachtung von einzelnen Aspekten bei der Auswahl des richtigen Fahrzeugantriebs bei Mehrwegestaplern nicht ausreicht. Für Anwender lohnt sich eine ganzheitliche Betrachtung der Einsatzbereiche, der Total Cost of Ownership, der Leistungskapazitäten und der Nutzungsdauer. Nur so lässt sich individuell die beste Lösung finden. Die Entwicklung bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen ist rasant. Vor allem in Zeiten des zunehmenden Umweltbewusstseins der Unternehmen und des Trends hin zur Automatisierung ist festzuhalten, dass die Elektro-Mehrwegestapler in zahlreiche neue Einsatzbereiche vordringen.