Bodenunebenheiten
Der Einsatz von Flurförderzeugen setzt voraus, dass der Boden über dem Qualitätsniveau üblicher Böden liegt. Er muss tragfähig, eben und horizontal verlegt sein und verschiedene Strapazen des Lageralltags aushalten. Dafür gilt es bei der Planung des Bodens, auf bestimmte Werte und Toleranzen zu achten. Damit ist ein sicherer und funktioneller Einsatz von Staplern in Lagerhallen gewährleistet.
Wer Flurförderzeuge in seinem Lager einsetzt, muss viele Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. Der Boden spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sind Industrieböden nicht auf bestimmte Bodenbelastungen ausgelegt, kommt es schnell zu Beschädigungen des Untergrunds. Selbst kleinste Bodenunebenheiten können Flurförderzeuge ins Wanken bringen und stellen daher ein großes Risiko in puncto Sicherheit für Fahrer und Mitarbeiter der Lagerhalle dar. Um Schäden oder eine teure, aufwendige Bodensanierung zu vermeiden, ist es ratsam, den Boden von Anfang an auf die zu erwartenden Lasten auszurichten sowie etwaige Bodenunebenheiten durch entsprechende bauliche Maßnahmen auszugleichen. Nur so ist das Fahren mit verschiedenen Staplern sicher und die Fahrzeuge können die geforderten Geschwindigkeiten und Lastaufnahmen abrufen.
Industrieböden haben andere Eigenschaften zu erfüllen als beispielsweise Boden in einem Bürogebäude. Hier wirken ganz andere Belastungen auf die Böden ein.
Folgende Spezifikationen bzw. Anforderungen gilt es zu erfüllen:
Man spricht bei Böden in Schmalganglagern, die hohen Belastungen durch Stapler, Regalanlagen usw. ausgelastet sind, von Böden im VNA-Bereich (VNA = Very Narrow Aisle, übersetzt: sehr schmaler Gang). Die Anforderungen für Betonböden und Estriche in diesem Bereich sind nicht mit handwerklich üblichen Anforderungen zu vergleichen. Es empfiehlt sich daher, Experten in die Planung einzubeziehen. Diese verfügen über besondere Ausführungstechniken und genügend Erfahrung. Diese wird besonders wichtig, wenn es um zusätzliche Maßnahmen wie Nacharbeiten durch Schleifen oder Beschichten geht. Spezialschleifmaschinen helfen dabei, erforderliche Bodentoleranzen herzustellen und Bodenunebenheiten auszugleichen.
Industrieböden im Lager werden verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Sowohl flächig wirkende Lasten wie Paletten oder Maschinen aber auch punktförmig wirkende Lasten wie Regale oder Container beanspruchen den Boden. Außerdem wird zwischen ruhender (Regale, Paletten, etc.) und dynamischer Belastung (Gabelstapler, Lastkraftwagen, Arbeitsbühnen und andere Fahrzeuge) unterschieden. Die dynamischen Belastungen gelten als besonders erheblich.
Es gibt verschiedene Faktoren, die die Auslegung der Bodenbelastung beeinflussen. Eine Berechnung bzw. Aufstellung der zu beachtenden Faktoren kann sich wie in folgendem Beispiel zusammensetzen. Die Werte sind wichtig für die konkreten Planungen der Statiker und Architekten und müssen unbedingt vorher ermittelt und berechnet werden.
Neben dem reinen Fahrzeuggewicht spielt auch die mögliche Zuladung bzw. die generelle Tragfähigkeit des Staplers eine wichtige Rolle.
Beispielfahrzeug:
| Fahrzeug - Grunddaten | |
| Typ | MQ45 |
| Serie | 2125 EL |
| Fahrzeuggewicht | 8700 kg |
| Zuladung | 4500 kg |
| Gesamtgewicht | 13200 kg |
| Lastschwerpunkt | 600 mm |
Hier ist zu unterscheiden, ob sich der Stapler im Fahrbetrieb oder in stehender Position befindet, ob der Hubmast ausgeschoben oder in Grundstellung ist und welches Gewicht sich auf dem Mast befindet. Eine Kombination aus diesen Faktoren wirkt sich auf die Berechnungen aus.

Hubmast in Grundstellung
Fahrzeug fährt (Statische Radlast in kg – bei max. Zuladung)
| Achslasten (kg) | Radlasten (kg) | |
| FA1 | 7200 | 3600 |
| FL1 | 6000 | 1500 |
Hubmast ausgeschoben
Fahrzeug steht (Statische Radlast in kg – bei max. Zuladung)
| Achslasten (kg) | Radlasten (kg) | |
| FA2 | 1600 | 800 |
| FL2 | 11600 | 2900 |
Der Wert der Radflächenpressung beeinflusst die Härte des Bodens.

Hubmast in Grundstellung
Fahrzeug fährt (Statische Radflächenpressung [N/cm²])
| pA1 | 144 |
| pL1 | 122 |
Hubmast ausgeschoben
Fahrzeug steht (Statische Radflächenpressung [N/cm²])
| pA2 | 79 |
| pL2 | 167 |
Für die Auslegung der Statik ist die statische Flächenlast ausschlaggebend. Hier kommen die projizierte Fläche des Fahrzeuges sowie die Gesamtbelastung zusammen.
| Fläche m² | 5,69 |
| Q1 [kN/m²] | 23,22 |
Die beschriebenen Skizzen und Tabellen sind beispielhaft zu verstehen. Detaillierte und vor allem individuellere Informationen erhalten Sie hier auf Anfrage.
Wird mit gehobener Last oder in Schmalgängen gefahren, sind Werte abweichend von DIN 18202 einzuhalten. Diese sind der folgenden Tabellen zu entnehmen:
Tabelle 1: DIN 15185
| Höhenunterschiede quer zur Fahrspur |
zulässiger Höhenunterschied h als Grenzwert zwischen |
|||
| bis 1,0 m | über 1,0 m bis 1,5 m | über 1,5 m bis 2,0 m | über 2,0 m bis 2,5 m | |
| Hubhöhe ≤6,00 m | 2,0 mm | 2,5 mm | 3,0 mm | 3,5 mm |
| Hubhöhe >6,0 m und Automatikbetrieb | 1,5 mm | 2,0 mm | 2,5 mm | 3,0 mm |
Tabelle 2: DIN 15185
| Ebenheitstoleranzen längs zu den Fahrspuren |
Stichmaß als Grenzwerte in den Fahrspuren Sp bei Messpunktabständen in m |
|||
| 1,0 m | 2,0 m | 3,0 m | 4,0 m | |
| Für alle Einsatzarten | 2,0 mm | 3,0 mm | 4,0 mm | 5,0 mm |
Die Prüfung der Ebenheit erfolgt nach DIN 18202
Für die Berechnungen gibt es neben generellen Formeln auch verschiedene Rechenbeispiele.
Generelle Formel:
Punkt X = h (mm/m) x Hx (m) = (mm) seitliche Abweichung; (h = Höhenunterschied quer zum Gang, Hx = Höhe Punkt X)
Rechenbeispiel:
Statische Abweichung Punkt X bei Bodenunebenheiten = 1,5 mm/m, Hx = 10 m ab Flur,
Punkt X = 1,5 mm/m x 10 m = 15 mm statische Abweichung.
Hier spielen nicht nur die unterschiedlichen Gegebenheiten ein, sondern auch die Eigenschaften der verwendeten Gabelstapler im zutreffenden Betrieb. Daher empfiehlt es sich, bei der genauen Ausgestaltung und Realisierung eines Projektes auf individuelle Beratung, Tipps und Prüfung von Experten zu vertrauen.
Die Höhenunterschiede und Ebenheitstoleranzen sollen frühestmöglich durchgeführt werden. Der Nachweis für die Einhaltung der Toleranzen erfolgt durch den Bodenverleger oder ein neutrales Vermessungsbüro. Die Messpunkte müssen reproduzierbar sein. Beim Messverfahren selbst muss sichergestellt werden, dass die Messgenauigkeit des Prüfverfahrens, z.B. bei einem Nivellierinstrument, ± 0,1 mm beträgt. Damit sich die Flurförderzeuge nicht aufschaukeln, dürfen keine kurzwelligen Bodenunebenheiten oder Querneigungswechsel in regelmäßigen Abständen vorhanden sein. Ein Messprotokoll ist in jedem Fall zu führen.
Es wird schnell deutlich: Die Normen und Regeln für Böden sind zahlreich. Die Richtlinien überall einzubeziehen, bedeutet für die Planer einen hohen Aufwand. Hinzu kommen regelmäßige Änderungen und Bearbeitungen innerhalb des Regelwerkes. Daher wird Bauherren einer Lagerhalle empfohlen, sich in enge Abstimmung mit allen beteiligten Fachabteilungen des Baus (Architekt, Statiker, Hersteller der Flurförderzeuge usw.) zu begeben, um alle Anforderungen zu berücksichtigen.
Wir helfen Ihnen gerne weiter, die Bodenbelastungen, die durch Stapler & Co in Ihrem individuellen Lageralltag hervorgerufen werden, entsprechend zu berechnen.